Womit kannst du als E-Fahrer rechnen? Dieser Beitrag wird wöchentlich aktualisiert — aktuellste Einschätzung immer oben.
KW 15 · 12. April 2026
Liebe E-Auto-Fahrerinnen und Fahrer,
die Kalenderwoche 16 bringt Fundamentaldaten ans Licht, die den THG-Quotenmarkt in den kommenden Monaten massiv verändern werden. Während sich die Preise im tagesaktuellen Handel noch stabilisieren, zeigen die Indikatoren der Großhändler für die Zukunft steil nach unten. Wir haben für dich die taufrischen Zulassungszahlen, die Reaktionen der Mineralölkonzerne und den anhaltenden politischen Stau in Berlin analysiert, um dir die beste Entscheidungsgrundlage für deine Quote zu liefern.
📈 Historischer KBA-Rekord trifft auf fallende Terminkurven
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat in dieser Woche die finalen Zahlen für den März veröffentlicht – und die haben es in sich: Mit über 70.000 neu zugelassenen reinen Elektroautos (BEV) gab es einen massiven Zuwachs von über 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. E-Autos haben damit erstmals reine Benziner bei den Neuzulassungen deutlich überholt. Was für die Verkehrswende eine großartige Nachricht ist, bereitet dem THG-Markt jedoch Sorgen. Genau in diesen Tagen reichen gewerbliche Flottenbetreiber ihre gebündelten Q1-Neuzugänge beim Umweltbundesamt (UBA) ein. Analysten warnen übereinstimmend vor einem gigantischen Zertifikate-Schwall, der ab dem Sommer auf den Markt prallen wird.
Die Folge zeigt sich bereits jetzt im Großhandel: Während der Spotpreis für eine Tonne CO2 aktuell noch bei soliden rund 301 Euro liegt, preisen institutionelle Händler das kommende Überangebot bereits hart ein. Die Terminkurven (Futures) für das Jahr 2027 notieren alarmierend niedrig bei nur noch rund 215 Euro pro Tonne. Der Markt befindet sich in einer klaren “Backwardation” – künftige Zertifikate werden mit massiven Preisabschlägen gehandelt.
🏛️ Hängepartie in Berlin zwingt Käufer in den Sichtflug
Verschärft wird die Lage durch den politischen Stillstand. Das “Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote” steckt im Bundestag fest. Branchenverbände schlugen diese Woche in einem Brandbrief Alarm, da die fehlende nationale Umsetzung der europäischen RED-III-Richtlinie für extreme Rechtsunsicherheit sorgt. Die Mineralölkonzerne reagieren mit absoluter Kaufzurückhaltung bei langfristigen Verträgen. Da jedoch mittlerweile rechtlich feststeht, dass für 2026 keine Übererfüllungen aus den Vorjahren mehr angerechnet werden dürfen und die Doppelanrechnung für bestimmte fortschrittliche Biokraftstoffe wegfällt, decken sich die Konzerne fast ausschließlich kurzfristig am Spotmarkt ein. Das stützt zwar aktuell noch die Liquidität im Tagesgeschäft, macht den Markt aber extrem anfällig für den anrollenden Angebotsüberhang aus dem E-Auto-Boom.
🇪🇺 EU-Regularien ziehen an
Auch auf europäischer Ebene werden in diesen Tagen wichtige Fristen ernst: Ab dem 14. April müssen Betreiber öffentlicher Ladesäulen (CPOs) gemäß der neuen AFIR-Verordnung ihre statischen und dynamischen Daten (inklusive Echtzeit-Verfügbarkeit und Ad-hoc-Preisen) zwingend in einem neuen, standardisierten Format bereitstellen. Zudem läuft Ende April die Frist für den ersten zwingend verifizierten Emissionsbericht im neuen EU-Emissionshandel (ETS II) für Gebäude und Verkehr ab. Diese regulatorischen Daumenschrauben erhöhen den administrativen Druck auf die Branche, bieten aber kurzfristig keinen Rettungsanker für die akute Preisschwäche am deutschen Terminmarkt.
Diese Einschätzung ist unverbindlich und stellt keine Finanzberatung dar. Finde das für dich passende Angebot im aktuellen THG Quoten Vergleich.